Die Naturschutzjugend (NAJU)

Action for nature NAJU

In der NAJU engagieren sich Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene für den Schutz von Natur und Umwelt. In unserer Ortsgruppe sind wir vor allem im praktischen Naturschutz aktiv: Wir pflanzen Bäume, bauen und reinigen Nistkästen, kümmern uns um Streuobstwiesen, schützen Vögel & Fledermäuse oder machen auch mal eine Schlammschlacht beim Anlegen von Teichen.

 

 

Ansprechpartnerin für die Naturschutzjugend  (NAJU):

 

Shirley Tümpel (Solvey Peschl) 

 

Tel.: 07045-2030714

 

 


NAJU-Portrait:

Ein Interview mit Theo von Shirley Tümpel

Mai 2021

 

Der 14-jährige Waldorf-Schüler Theo wohnt mit seiner großen Familie und Hund in Talhausen, einem idyllischen Dörfchen der Gemeinde Markgröningen.

 

Befragt nach seiner Beziehung  zur ländlichen Umgebung sprudelt aus ihm ziemlich intelligent heraus: „Talhausen bietet als naturnaher Wohnort viele Vorteile; enorme Flächen an Spiel- und Beschäftigungsraum laden dich hier ein. Um nur einigle Beispiele zu nennen: Wiesen, Wälder, Tümpel, ein Bach namens ´Glems`, der ´Schlüsselberg` und anderes. Mich reizt, dass ich hier gut Tiere erkunden und beobachten kann.“

 

Shirley: Was ist zur Zeit das Wichtigste für dich? 

 

Theo: Zur Zeit schreibe ich gerade ein Buch im Rahmen einer Jahresarbeit für meine Schule: Ein Zukunftsthriller wird das. Der Blick aus dem Fenster auf die Rehe hier in der Umgebung ist mir dabei eine willkommene Ablenkung. Ich nutze übrigens jede Gelegenheit, um mich abzulenken.

 

Meine Neugier auf konkretere Informationen bezüglich seiner Vorgehensweise und der besonderen Qualität des Schulprojektes beantwortet Theo folgender Maßen: „Ich möchte in dieser Arbeit eigene Erfahrungen über Tiere einbringen. Am Ende will ich das Ganze einem Verlag schicken. (Schmunzelnd) Vielleicht werde ich ja Millionär…Es wird sicherlich vorteilhaft sein, wenn ich bei der Schulpräsentation sagen kann, dass mein Buch zwischenzeitlich an einen Verlag geschickt worden ist - sozusagen als kleiner ´Aufpepper`. Wir müssen über ein Jahr hinweg ein Thema dokumentieren, z.B,. ein Buch wie meines, z.B. einen Eulenkasten von der Entstehung bis zum Einsatz in der Natur, z.B. ein Insektenhotel Inch. seiner Besiedelung, z.B. eine überdimensionale Spieluhr, die per Fahrraddynamo betrieben wird. Jeder der 36 Schüler muss sich etwas aussuchen, es stehen uns über ein Jahr hinweg alle denkbaren Möglichkeiten offen“

 

Ich bitte Theo, seine jetzige Schule mit dem konventionellen Gymnasium zu vergleichen, wo er 1,5 Jahre Schüler war. Souverän erläutert er mir die wesentlichen Unterschiede: „Beim Gymmi herrscht ein viel höherer Druck auf die Hauptfächer. Im Gegensatz dazu legt die Waldorfschule mehr Wert auf körperliche und geistige Weiterentwicklung. Musik und Eurhythmie sind dort Kerninhalte. Jeder von uns Schülern muss ein Instrument spielen. Ich habe mich für die Blockflöte entschieden. Wir bekommen als Gemeinschaftsaufgabe ein Lied, das wir dann zusammen als Orchester einüben. Das macht mir mehr Spaß. Gymmi und Waldi sind eigentlich schwer zu vergleichen. Die Priorität des Gymnasiums ist eher Leistung und schnelles Vorankommen. Eigentlich hätten wir in diesem Jahr wieder ein Klassenschauspiel aufgeführt. Das fällt wegen Corona leider flach, was ich sehr schade finde, weil dadurch die Klassengemeinschaft gestärkt worden wäre.“

 

Shirley: Theo, wie stehst du zu Corona? 

 

Theo: Es schränkt uns als Kinder ein, was Kommunikation mit Gleichaltrigen angeht. Auch in der Schule können Freundschaften nur noch sehr beschränkt stattfinden. Man darf ja ab 14 Jahre nur noch eine Person treffen. Ich kann nicht mit meinen beiden Cousins, die so alt sind wie ich, Zelten gehen und übernachten. Das haben wir immer gerne gemacht. Jetzt übernachten die ohne mich. In Coronazeiten sind manche Dinge erschwert. Mit meinen Freunden aus der Nachbarschaft hier bin ich viel im Glemstal unterwegs. Wir haben viel Zeit mit Angeln erbracht. Man konnte ja nicht so viel machen außer PC und Angeln. GMX ist wegen dem Andrang wohl nur mit Maske möglich. Sport ist gar nicht mehr möglich, was die ganze Sache erschwert hat. 

 

Shirley: Hat dein Frust in der Corona-Zeit auch mit der Abgeschiedenheit deines Wohnortes zu tun?

 

Theo: Ja, es fällt vieles flach mit anderen Menschen, weil man halt in Talhausen auch einfach abgeschnitten ist von den nächsten Städten. In Ludwigsburg z.B. wohnen die meisten Klassenkameraden von mir.  Ich brauche 20 Minuten zum Bus, 20 im Bus mit der Maske, wieder mindestens 15 -20 Minuten am Bahnsteig mit Maske warten, in der Bahn  dann ca. 5 Minuten mit der Maske, plus ein Fußweg von ca. 10 Minuten. Macht 70-75 Minuten für einen Weg, mit Verspätungen 1,5 Stunden. Nur um zu meinen Freunden zu kommen. 

 

Shirley: Aber wäre es dann nicht in mancher Weise einfacher, in der Stadt zu leben?“

Theo: Nein, in der Stadt zu leben wäre für mich ausgeschlossen.

 

Shirley: Hast du schon eine Vorstellung von deinem späteren Beruf?

 

Theo: Nö; momentan habe ich noch gar keinen Kopf für eine klare Berufswahl.“

 

Shirley: Natur ist ein wichtiges Thema für dich, gell Theo?

 

The0: Ja, Natur ist ein sehr wichtiges Thema. Wenn man so nah an Tieren ist wie in Talhausen, kann man sich gar nicht vorstellen, wie das wäre, wenn es das nicht gäbe.

 

Shirley: Gibt es irgend etwas, was du besonders genießt in der Natur?

 

Theo: Ja, zB. die Laichentwicklung von Amphibien zu beobachten bis zu den erwachsenen Tieren. Wenn man so mitkriegen kann, wie die schwarzen Punkte in den Gallert-Eiern immer größer und körperlicher werden, das ist schon toll.

 

Shirley: Was wünscht du dir für den Naturschutz?

 

Theo: Dass die Menschen die Natur mehr schätzen. Viele wissen ja gar nicht, was für ein Glück sie haben, dass es so was wie die Natur noch gibt, wenn sie z.B. ihren Müll im Wald zurücklassen.

 

Shirley: Was ist Natur überhaupt?

 

Theo: Für mich einerseits ein Ort, wo Tiere und Pflanzen frei und ungestört und unbedroht leben können. Andererseits auch ein Ort, der für die jeweiligen Tiere wichtige Bedingungen erfüllt.  

Erst wenn beides gewährleistet ist, kann man von Natur sprechen. 

 

Shirley: Du bist mit 14 Jahren ja ganz schön alt für die NAJU-Veranstaltungen und bist trotzdem noch dabei?!

 

Th: Man ist nie zu alt für NAJU!!

 

Shirley: Was interessiert dich an der Naturschutzjugendarbeit?

 

Theo: Es gibt zwei Arten von Projekten: Einerseits diejenigen, die man an einem Wochenende einmalig plant und durchführt, wie z.B. Exkursionen oder das Bauen von Nistkästen. Andererseits gilbt es auch Projekte, die sich jedes Jahr wiederholen, wie z.B. Tümpelanlage und -pflege oder das Freihalten und Säubern des „Kühlen Brünneles“. Man muss hier aufpassen, dass weder das eine, noch das andere Überhand nimmt.“

 

Ich frage Theo nach direkten Beispielen für persönliche Wünsche an den NABU/NAJU. 

 

Ohne großes Nachdenken kommt die prompte Antwort: „Ein Infostand auf dem Markgröninger Markt, wo auch Nistkästen gekauft werden können und Anleitungen zum Selberbauen. 

Theos Rat für den Naturschutz: „Man sollte aufpassen, dass man weder zu schnell, zu groß, noch zu beschränkt denkt. Sich Ziele zu stecken ist gut, aber 100 Baustellen werden nicht fertig.“

 

Shirley: Was fällt dir zum Thema Angeln ein?

 

Theo: Es gibt genug Leute, die jeden Tag minimum zu einer Mahlzeit Fleisch essen. Wir in meiner Familie essen ca. 2 Forellen im Jahr. In den drei Jahren meiner Angelkarriere habe ich 6 Stück gefangen. Dann beschweren sich jedoch Leute beim mir, dass es grausam wäre zu angeln. 

Das, obwohl sie täglich Fleisch essen, oft sogar von Schweinen und Rindern aus Massenproduktion. Ich finde, dass jeder, der Fleisch isst, wissen sollte, woher das Tier kam, von dem das Fleisch stammt, das auf seinem Teller liegt. Ich finde Fleischessen okay, solange es im Rahmen bleibt und die Tiere gut gelebt haben. Sozusagen „bewusstes Fleischessen“. In meiner Familie leben wir vorwiegend vegetarisch.

Shirley: Danke für das Interview.


 

Dominiks Spezialgebiet 

 

Der aus Markgröningen stammende Jungentomologe hat mit seiner Liebe zu den wirbellosen Tieren die NABU-Jugendarbeit (NAJU) voran gebracht und mit geprägt. Seit seinem 4. Lebensjahr ist er bei unseren Aktionen dabei. Sogar in Zeiten von Corona ist Verlass auf ihn. Rettete er doch kürzlich unweit seiner Haustüre in der Markgröninger Innenstadt einen wunderschönen Nashornkäfer (Oryctes nasicornis) aus dem Blickfeld einer ihn interessiert beäugenden Straßenkatze. Nach einer ausgiebigen Foto-Session entließ Dominik seinen kostbaren Fund in den Rothenackerwald, wo er ihn behutsam auf einen modernden Baumstumpf absetzte. Nicht ohne verantwortungsbewusst abzuwarten, bis der chitingepanzerte und gehörnte Geselle sich in Sicherheit gebracht hatte. Der heute zwölfjährige Insektenforscher freut sich, den NABU/die NAJU mit seinen Fotos (s. unten) unterstützen zu können. Auf einer Exkursion im Leudelsbachtal fand er eine Rothalsige Silphe (Oiceoptoma thoracicum), deren Konterfei wir hier ebenfalls zeigen dürfen - ein besonders farbenfrohes Exemplar. Danke Dominik! 

 

Befragt nach seinen Wünschen an und für den NABU/die NAJU sprudelt es aus dem jungen Insektenfachmann und Gymnasiasten heraus: „Ich wünsche dem NABU mehr aktive Mitglieder. Von der NAJU wünsche ich mir Aktionen wie Nachtwanderungen und Übernachtungen draußen in der Natur. Toll wäre auch eine Diskussionsrunde mit den einflussreichsten Politikern über die Themen Naturschutz, ökologische Vielfalt, mehr Naturschutzgebiete… An einer solchen Auseinandersetzung würde ich gerne teilnehmen.“

 

 

Dominik mit Nashornkäfer

 

Steckbrief:

Art: Nashornkäfer (Oryctes nasicornis) 

Familie: Blatthornkäfer (Scarabaeide) Größe: 20-43 mm 

Männlich: ausgeprägte Horn 

Weiblich: sehr kleines Horn, bzw. nur angedeutete Höckerung.

Lebensraum (Habitat): ursprünglich in Eichenwäldern, dort liegendes Totholz zur Entwicklung der Larven genutzt, inzwischen synanthrope Art (zusammen mit Menschen lebend, menschliche Aktivität nutzend). Heute kommt er gerne in Kompost – Sägemehl und Rindenmulch-Haufen vor. Weibchen legen zwischen Juni und Juli dort hinein ihre Eier ab. Besondere Bakterien im Darm helfen der fünfjährigen Larve die Zellulose der Holzrückstände zu verwerten. Die darin einsetzende Gärung bedingt Temperaturanstieg, was der Larve nützt: zuletzt ist sie 10 cm lang, verpuppt sich in einem Kokon aus Lehm und Holzrückständen. 

Imagines (erwachsene Tiere) leben ca. einen Monat lang und ernähren sich von austretenden Pflanzen- und Obstsäften. 

Dämmerungs- und nachtaktive Art. 

 

 

Rothalsige Silphe

 

 

 

Steckbrief:

Art: Rothalsige Silphe (Oiceoptoma thoracicum)

Familie: Aaskäfer (Silphidae) 

Größe: 10-16 mm 

charakteristisch: rötlich braunes Halsschild 

Lebensraum: Waldränder, Wiesen, Parks, Gärten 

 

Nahrung: Aas von Säugetieren, Kot von Wirbeltieren, besonders. Besonders auch mundet diesem Käfer der Fruchtkörper der Stinkmorchel. Die Eier werden an Aas gelegt, von dem sich die Larven ernähren.

 

 


NAJU Kids im Interview (2014)